Geschichte

 

Das Festival

 

Das Kammermusikfest Lockenhaus wurde 1981 von Gidon Kremer und dem damaligen Pfarrer von Lockenhaus, Josef Herowitsch gegründet.
Gidon Kremers Idee von der episodischen Entlarvung des überkommerzialisierten Musikbetriebs hat sich seit damals international etabliert und macht das 1.000-Seelen-Dorf Lockenhaus im österreichischen Burgenland einmal im Jahr zum Zentrum der Kammermusikwelt.

Sommer für Sommer kommen Musiker aus aller Welt nach Lockenhaus um sich abseits der großen Konzertbühnen auszutauschen und in eigens für das Festival zusammengestellen Ensembles zu arbeiten und aufzutreten. Um dabei ein Höchstmaß an Spontaneität und Felixibiltät zu gewährleisten und einen kreativen Schaffensprozess zu ermöglichen, entstehen die Konzertprogramme erst vor Ort und in Zusammenarbeit mit allen anwesenden Musikern. Grenzen sprengen und Neues entdecken hat bei dieser für Lockenhaus typischen Arbeitsweise oberste Priorität. 

Das Grundprinzip dabei: die Freude an der Musik, am gemeinsamen Ausprobieren und Musizieren, am Beisammensein und an der Offenheit der Begegnungen. 
Nichts bleibt unangetastet, alles darf ausprobiert werden. In Lockenhaus wird der Gemeinschaftsgeist großgeschrieben, entsteht Jahr für Jahr eine Familie, die den Rahmen des üblichen Konzertbetriebes sprengt.

Die meisten der Proben sind öffentlich und bieten so auch dem Publikum die Chance, die Erarbeitung der Werke von der ersten Probe bis zur Aufführung mitzuverfolgen und den Künstlern auch ausserhalb der Konzerte zu begegnen. 

Seit 2012 findet das Festival auf Vorschlag von Gidon Kremer unter der Künstlerischen Leitung von Nicolas Altstaedt statt.
 
 

Wie alles begann...

Die Idee in seiner Pfarre Konzerte zu veranstalten hatte der Lockenhauser Pfarrer Josef Herowitsch bereits 1974. Unter dem Titel „Lockenhauser Konzerte“ fand ein erstes Konzert in der Diele des Pfarrhauses statt. Im Rahmen dieser Reihe kam 1976 zum ersten Mal auch Gidon Kremer nach Lockenhaus, um ein „Aufwärm-Konzert“ für seinen Wiener Abend zu geben. Begeistert von der Atmosphäre im Ort und der Begeisterungsfähigkeit des Ortspfarrers kam er jedes Jahr wieder und schickte viele seiner russischen Freunde, die ebenfalls in den Westen emigriert waren nach Lockenhaus. Oleg Maisenberg, Elisabeth Leonskaja, David Geringas, Andrej Gavrilov und viele andere haben bei den „Lockenhauser Konzerten“ gespielt, lange bevor das Festival entstand.

Im Sommer 1980 trat Gidon Kremer dann mit einer Idee an seinen Freund Josef Herowitsch heran, die er selbst so beschreibt: „… die Verwirklichung meiner Träume: Eine Versammlung von Freunden, die mit Freunden für Freunde Musik spielen wollen…“ 

Im Juli des Jahres 1981 fand das erste Internationale Kammermusikfest Lockenhaus statt und wurde nicht nur von den Musikern selbst, sondern auch von Publikum und Kritik gleichermaßen begeistert aufgenommen und gerne mit „in Lockenhaus ist alles anders“ beschrieben. 

Das erste Festival umfasste neben Konzerten, deren Programm jeweils spontan von den anwesenden Musikern zusammengestellt wurde auch öffentliche Proben, Meisterkurse und im ersten Jahr auch einen Kammermusikwettbewerb. Neben den großen Werken der Kammermusikliteratur gab man auch das eine oder andere Bravourstück, weniger Bekanntes und Neu- oder Wiederentdecktes.

Das Konzept Gidon Kremers ging auf, er ließ junge Künstler mit erfahrenen Kollegen musizieren, stellte Routine & Perfektion hinter Spontaneität und Wagnis und erreichte damit eine Freude am Miteinandermusizieren, die sich auf die Zuhörer übertrug. 

Für Pfarrer Herowitsch wurde das Kammermusikfest ein ganz bedeutender Teil in seinem Kirchenjahr und seinem Leben: „Ich habe erlebt, wie die Menschen durch die Musik anders zugehört, anders gedacht und anders gehandelt haben. Was sich hier in Lockenhaus ereignet, ist sicherlich auch eine Form der Verkündigung – eben meine Art, auf Menschen zu wirken, auch und vor allem durch die Musik.“
 
 
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