In memoriam Peter Cossé

Mit dem Tod von Peter Cossé verliert das Kammermusikfest Lockenhaus ein weiteres Urgestein. Sein Wort begleitete uns fast seit Anbeginn. Neben Mgr. Josef Herowitsch und Gidon Kremer war er während all der Jahre eine Art Markenzeichen des Kammermusikfestes. Auch Nicolas Altstaedt, als dieser im Jahre 2012 die Nachfolge von Gidon Kremer antrat, wollte nicht auf diese Stimme und das, wie die Salzburger Nachrichten es formulieren, enzyklopädische Wissen von Peter Cossé verzichten. Wortgewandt, wortgewaltig mit eigenem, unverwechselbarem Stil und oft verhalten, manchmal auch unverhohlen kritisch, verfasste Cossé die Texte zu den Ideen und Programmen der künstlerischen Leiter. Oft al fresco entworfen, wie die Lockenhauser Programme selbst, gewährten uns seine Texte Einblicke in sein tiefes musikalisches und humanistisches Wissen. Noch beim Kammermusikfest 2017 zum Thema Chronos und Kairos unterhielt er uns mit 18 geistreichen Geschichten des Allzugöttlichen. Darin verstand er es in begnadeter Weise und sicher zum heiligen Schrecken so manches Gräzisten die Helden, Göttinnen und Götter nur so durcheinander wirbeln zu lassen. Ein fesselndes Vergnügen!

Peter Cossés Stimme verstummte am 18. Dezember 2017 für immer. Wir vermissen ihn und werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren.


Nicolas Altstaedt, Dr. Erhard Busek und das gesamte Festivalteam

 

Erinnerung an Peter Cossé 

Peter Cossé ist tot. Mit ihm hat das Kammermusikfest Lockenhaus eine Persönlichkeit verloren, die wie kaum eine andere das Festival kannte und von Beginn an begleitete. Als herausragender Musikkritiker und Musikschriftsteller war Peter zudem mein geschätzter Kollege, der mich mit seinem universalen musikalischen Wissen tief beeindruckte.

Ich erinnere mich noch sehr genau, als ich im Juli 2013 mitten im Festival eher zufällig zum Lockenhaus-Team stieß. Die Konzerte waren in vollem Gang und auch hinter den Kulissen wurde fieberhaft gearbeitet. Inmitten dieser emsigen Atmosphäre empfing mich Peter überaus herzlich, gelassen und sichtlich unbeeindruckt von der kreativ-hektischen Stimmung um uns herum. Als Programmtext-Autoren begleiteten wir schreibend die Konzerte, saßen dabei über unseren Texten brütend viele Stunden gemeinsam im Büro und lernten uns dadurch sehr gut kennen.

Wohl kaum einer tauchte so intensiv und über so viele Jahre in den Kosmos Lockenhaus ein wie Peter. Er arbeitete für das Festival, als es noch in den Kinderschuhen steckte, kannte dessen Gründer Gidon Kremer als Künstler und Mensch durch und durch, pflegte langjährige Freundschaften zu den hier konzertierenden Musikern und natürlich zu den Menschen, die in Lockenhaus und Umgebung wohnen und mit Herzblut alljährlich zum Gelingen des Kammermusikfests beitragen. Geschichten und Begebenheiten, die Peter an diesem Ort erlebte, könnten ganze Bücher füllen.

Ich habe es nie zu Gesicht bekommen, doch aus Peters Erzählungen konnte ich erahnen, welch gigantischen Umfang sein Tonträger-Archiv haben musste. Sein phänomenales Wissen über Musik und ihre Interpreten war dasjenige eines Enthusiasten, dessen Interesse an der Sache nie versiegte und der stets auf der Suche nach noch unentdeckten musikalischen Juwelen war. Wenn er über Musik schrieb, dann geschah dies immer aus einem sehr persönlichen Blickwinkel. Der nüchtern-sachliche Schreibstil war nicht sein Metier, vielmehr ließ sich Peter beim Schreiben von seinen vielen Begegnungen mit Musikern und Künstlern inspirieren. Diese subtil eingefügten Anekdoten und sein ganz spezieller, hintersinniger Humor machten seine Texte so einzigartig, manchmal auch etwas zu wortgewaltig.

Uns beide trennten beinahe dreißig Lebensjahre, da prallten in manchen Situationen auch unterschiedliche Ansichten und Arbeitsweisen aufeinander. Doch – und das werde ich stets in Erinnerung behalten – niemals trug Peter seine immense Erfahrung vor sich her, sondern nahm mich herzlich kollegial unter seine Fittiche und ließ mich an seinem reichen Wissen teilhaben. In den vier Jahren, in denen wir gemeinsam in Lockenhaus waren, begegneten wir uns in gegenseitigem Respekt und mit Wertschätzung für die Arbeit des anderen. Sein Blick war verschmitzt und sein Summen stets vergnügt. Ich werde ihn vermissen.

Miriam Weiss