Liebe Freunde

Dieses Frühjahr ist ein Großteil des ältesten lebendigen Organismus unseres Planeten gestorben. Das Great Barrier Reef wurde 25 Millionen Jahre alt. Wir haben einen Punkt erreicht, an dem wir unsere Lebenseinstellung und - weise auf radikale Art ändern müssen, um Leben zu erhalten.

Dies bedeutet selber Verantwortung zu übernehmen und Lebensräume schaffen.

Die norwegische Improvisationskünstlerin Maja Ratkje, das österreichische Duo BartolomeyBittmann, der sizilianische Cellist Giovanni Sollima und der deutsche Schlagzeuger Johannes Fischer sind völlig unterschiedliche Beispiele freischaffenden, zeitgenössischen Künstlertums. Zur Schöpfung einer eigenartigen Kreatur wird im Stummfilm „Der Golem wie er in die Welt kam“ Musik geschaffen. Auf Helmut Lachenmann folgend offenbart sich in wenigen Tagen der gesamte Streichquartettzyklus Jörg Widmanns. Eine Neuentdeckung ist der australische Komponist Jakub Jankowski; seine Bekanntmachung mit einer europäischen Premiere mir ein Herzensanliegen.

Alfred Brendel und Eberhard Feltz helfen uns bei der Wahrnehmung Schuberts und Mozarts und des vielleicht größten "Creator Spiritus“ der Musikgeschichte: Joseph Haydn.
Neben einer Ökologisierung des Festivals sind dieses Jahr neue künstlerische Herausforderungen an alle gestellt. Das Programm ist wie auch in den letzten Jahren (entgegen aller Mythen) über mehrere Monate im Voraus bis ins Detail von mir festgelegt; die Möglichkeiten der Veränderung sind bis zum Konzerttag gegeben.
Um künstlerische Verantwortung zu säen, wird es ein programmatisches Experiment geben. Für wenige Tage entziehen sich die Musiker meines „Artistic Dictatorships“ vor Ort. Die programmatischen Entscheidungen bezüglich letzter Veränderungen in den Minuten vor Druckschluss liegt in der künstlerischen Verantwortung der einzelnen Künstler. Auch wird das Programmheft dieses Jahr vermehrt von den Künstlern gestaltet werden. Nur auf diese Weise kann das Festival dem diesjährigen Thema gerecht werden und in die Zukunft schauen.

Herzlichst, Ihr Nicolas Altstaed

Das Kammermusikfest

„Lockerer und innerlich wie äußerlich aufgeheiterter hat man ein so individualistisches Künstlervölkchen selten einmal erlebt. Showgebärden sind in Lockenhaus allemal verpönt“ war im Gründungsjahr 1981 in Die Zeit über das Kammermusikfest Lockenhaus zu lesen.

Die Welt hat sich seitdem verändert, das Festival wurde von der New York Times zum Europäischen Kulturerbe ernannt und in der FAZ schreibt Eleonore Büning „das glaubt sowieso keiner, der nicht dabei gewesen ist”

Der Gründungsgedanke lebt in der künstlerischen Leitung von Nicolas Altstadt weiter: Jahr für Jahr pilgern Musikbegeisterte der Lockenhaus-Familie aus aller Welt in das malerische Dörfchen im Mittelburgenland, um im Zentrum Europas abseits der Welt Kammermusik in einzigartiger Intensität und Nähe zu erleben.

"Nicolas Altstaedt, dieser großartige, charismatische Cellist, ist als künstlerischer Leiter des Lockenhaus-Festivals in seinem jetzt fünften Jahrgang seit Gidon Kremer von einer Unbedingtheit, die fast erschrecken könnte, wenn die Ergebnisse nicht so überzeugend wären … eine bis zum Siedepunkt erhitzte Klang- und Ideen-schmiede, der man als Hörer nahe rücken darf."
Gerald Felber, FAZ 18.07.16

 

 

 

SPIELORTE

BURG LOCKENHAUS

Die Burg Lockenhaus wurde um das Jahr 1200 über dem Tal der Güns erbaut und trug anfangs den Namen Leucea. Heute gilt Sie als letzte echte Ritterburg Österreichs. Romanische und gotische Bauweise, zierliche Säulenfenster, Fresken, unterirdische Aspidenhalle. Krypta und andere Details aus dem 13. Jahrhundert zeugen von hochentwickeltem Kunstempfinden. Die Ritterburg im Herzen des Naturparks Geschriebenstein gelegen ist seit jeher ein imposanter Anziehungspunkt für Menschen aus den Bereichen Wirtschaft, Kunst, Kultur und Sport.

www.ritterburg.at

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PFARRKIRCHE

Die Pfarrkirche zum heiligen Nikolaus wurde im 16. Jh. vom italienischen Baumeister Pietro Orsolini erbaut. Das Gotteshaus besticht durch das Gemälde des Hochaltares: Es zeigt den heiligen Nikolaus von Myra (aus 1675), dem die Kirche geweiht ist. Sechs Seitenaltäre befinden sich im Kirchenraum. Unter der Kirche eine Krypta, die dem Bauherrn Franz Nádasdy als Familiengruft diente. Im Sommer 2003 erhält sie die größte Kirchenorgel des Burgenlandes.