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Das Festival

Seit den euphorischen Berichten über das erste Internationale Kammermusikfest Lockenhaus 1981 ist viel passiert. Gidon Kremer’s Idee von der episodischen Entlarvung des überkommerzialisierten Musikbetriebs hat sich längst etabliert und macht aus dem 1.000-Seelen-Dorf im österreichischen Burgenland für zwei Wochen im Jahr das Zentrum der Kammermusikwelt.

Die New York Times zählt Lockenhaus zu den zwei besten Festivals der Welt und berichtet, es sei zu einem Europäischen Kulturerbe avanciert, das weltweit seinen programmatischen Einfluss geltend macht.

Das Geheimnis von Lockenhaus scheint ganz einfach: Abseits der großen Konzertbühnen und des gängigen Festivalbetriebs sammelt Gidon Kremer Jahr für Jahr Musikerfreunde um künstlerische Entwicklungslinien und Wege einander in vielfältiger Weise kreuzen zu lassen – in Form von Rück- und Ausblicken, in thematischer Konzentration und musikalischer Vielfalt, durch Begegnungen mit langjährigen Weggefährten und jungen Künstlern.

Das Grundprinzip ist in all den Jahren dasselbe geblieben: Im Vordergrund steht die Freude an der Musik, am gemeinsamen Ausprobieren und Musizieren, am Beisammensein und an der Offenheit der Begegnungen. Ensembles finden eigens für eine Komposition zusammen, fixe Gruppierungen lösen sich auf und mischen sich mit eben kennen gelernten Musikern.
Nichts bleibt unangetastet, alles darf ausprobiert werden. In Lockenhaus zählt nicht nur die Einzelleistung, in Lockenhaus wird der Gemeinschaftsgeist großgeschrieben, entsteht Jahr für Jahr eine Familie, die den Rahmen des üblichen Konzertbetriebes sprengt.

Die meisten der Proben sind öffentlich und bieten so auch dem Publikum die Chance, die Erarbeitung der Werke von der ersten Probe bis zur Aufführung mitzuverfolgen, den Künstlern auch ausserhalb der Konzerte zu begegnen. Was dann tatsächlich im nächsten Konzert zu hören sein wird, geben die Musiker erst 24 Stunden vorher bekannt. Eine Eigenheit, die das Lockenhauser Publikum zu schätzen gelernt hat und die dem Festival den so besonderen Werkstattcharakter verleiht.

Um die Organisation des Festivals kümmert sich seit Anbeginn der Ortspfarrer von Lockenhaus, Josef Herowitsch. Die Akzeptanz und Wertschätzung des Festivals ist im Dorf aussergewöhnlich hoch. Gibt es doch viele freiwillige Helfer aller Altersgruppen, die zum Gelingen beitragen und dabei einer Musikrichtung begegnen, mit der diese sonst kaum oder gar nichts zu tun haben. Ein Grund, warum das Festival auf Musiker und Publikum äusserst familiär wirkt und im sonst oft anonymen Festspielbetrieb einen besonderen Stellenwert genießt. Viele gemeinsame Aktivitäten wie Grillfeste oder das bereits legendäre Fußballspiel „Künstler gegen Organisation“ unterstreichen den Gemeinschaftscharakter des Festivals.
 
   
Kultur Burgenland Bundesministeriums für Unterricht, Kunst und Kultur Thomas Infeld Vienna Raiffeisen Stiegl