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Musik und Macht - Musik als Macht

Der Festival-Schwerpunkt 2010

Wie sind Komponisten durch die Jahrhunderte mit den sie umgebenden Mächten umgegangen? Welche Macht hat Musik?
Macht und Musik – diese facettenreiche Beziehung beleuchtet das Kammermusikfestival Lockenhaus 2010 mit ebenso vielseitigen Programmen.

Fest steht, es gäbe viel weniger aufregende Musik, wenn Mächtige sie nicht ermöglicht hätten. Was heute Stiftungen und Kulturinstitutionen übernehmen, waren früher die Kirche, Könige, Fürsten und reiche Gönner: sie gaben repräsentative Werke in Auftrag, schmückten sich mit den Widmungen der feinen Kammermusikwerke und sonnten sich im Glanze der von ihnen geförderten Künstler. Sie bezahlten und ebneten dadurch vielen musikalischen Entwicklungen den Weg. Daraus ergaben sich oft komplizierte Beziehungen zwischen Musikern und ihren Mäzenen. Fruchtbare Abhängigkeitsverhältnisse, die die schönsten Sonaten, Quartette und Solowerke hervorgebracht haben.

Das Festival wird jedoch auch der Schattenseite von Musik und Macht viel Raum geben. „Von guten Mächten treu und still umgeben“, schrieb Dietrich Bonhoeffer 1944 an seine Familie – und war gerade da, im KZ, den grausamsten Mächten ausgeliefert, die in Europa wüteten. Der Theologe und Widerstandskämpfer zeigte mit seinen Gedichten, dass an Orten der Unmenschlichkeit Kreativität nicht vergeht. Auch und gerade in Zeiten der Unterdrückung dichten die Menschen, sie spielen Theater, musizieren und komponieren.

Gidon Kremer und seine Mitstreiter widmen daher viele Konzerte denjenigen Komponisten, die unter den Diktaturen auf der ganzen Welt verfolgt und sogar getötet wurden. Wer „nur“ Berufsverbot erhielt, konnte zwar für die Schublade komponieren. Das öffentliche Schaffen jedoch wurde streng kontrolliert. Viele zogen daher dem „inneren Exil“ die Emigration vor. Komponisten, die nicht unmittelbar bedroht waren, protestieren aber mit ihrer Musik gegen die herrschenden Verhältnisse. So hören wir auch politisch engagierte Musik gegen die Mächtigen, die ihre Macht missbrauchen. Denn Musik hat die Macht, etwas zu verändern.
Vergessen wir nicht die Macht der Zuhörer. Das Publikum gehört in Lockenhaus stets zu den guten Mächten, die das Festival 2010 wieder treu umgeben mögen.
 
 
 
 
 
   
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